Corona-Pandemie: Relevante (touristische) Indizes im Fokus

Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise wirkte für die Tourismusbranche weltweit wie eine Vollbremsung. Jeder einzelne der übergeordneten wirtschaftlichen Indizes war ab März 2020 eingebrochen. Unsere aktuelle Zahl der Woche nimmt drei relevante Indizes in den Blick. Die Monate August und September geben zumindest Anlass für etwas Hoffnung.

dwif Zahl der Woche: Touristischer Vertriebsklimaindex im September auf niedrigem Niveau stabil (Bild: freepik)

In unserer aktuellen Zahl der Woche gehen wir auf drei relevante Index-Zahlen ein, die Touristiker*innen in der aktuellen Lage regelmäßig in den Blick nehmen sollten:

Gfk-Konsumklima-Index

Der GfK Konsumklima-Index spiegelt die Konsumneigung der Privathaushalte wider. Befragt werden 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 14 Jahren nach ihren Einkommens- und Konsumerwartungen in den nächsten 12 Monaten sowie nach ihrer Anschaffungsneigung und ihren Erwartungen an die gesamtwirtschaftliche Situation.

ifo Geschäftsklimaindex

Der ifo Geschäftsklimaindex ist der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Er basiert auf ca. 9.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Dienstleistungssektors, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels.

Touristischer Vertriebsklimaindex

Der touristische Vertriebsklimaindex von Dr. Fried und Partner spiegelt die Lage und Stimmung in den Reisebüros wider. Im September 2020 nahmen 142 Reisebüros an der Befragung teil.

 

Wirtschaftskennziffern deuten vereinzelt in Richtung Erholung

Die Corona-Krise hatte und hat massive Auswirkungen auf die Verbraucherstimmung. Die Konsumneigung der deutschen Privathaushalte – gemessen im GfK-Konsumklima-Index – erreichte im Mai 2020 mit -23,1 Punkten ihren bisherigen Tiefpunkt. Auch im Juni 2020 verbesserte sich die Stimmung der Verbraucher nicht. Erfreulicherweise setzte ab Juli ein deutlicher Aufwärtstrend ein: So lag der Index für den Monat August bei -0,2 Punkten. Dies deutet auf eine deutlich steigende Konsumlaune hin und lässt auch für die Reisebranche auf steigende Buchungszahlen hoffen, sofern die Rahmenbedingungen rund um die Corona-Pandemie dies zulassen.

Der touristische Vertriebsklimaindex zur Lage und Stimmung in den Reisebüros allerdings liegt auch für September mit 66,2 Punkten noch 30 Indexpunkte unter dem Wert des Vorjahresmonats und somit auf einem niedrigen Niveau. Die niedrigsten Werte wurden im April und Mai 2020 mit 65,0 Indexpunkten gemessen. Seitdem ist er mehr oder weniger stabil.

Vor dem Hintergrund der Ausweisung immer neuer Risikogebiete stehen die Reiseveranstalter und -büros weiterhin vor großen Herausforderungen. Dementsprechend bewerten im September auch 97,2 Prozent der Reisebüros die derzeitige Vertriebslage als schlecht. Im August waren dies mit 93,2 Prozent noch weniger Reisebüros. Nur 0,7 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Reiseleistungen in den nächsten sechs Monaten steigen wird. 93,6 Prozent gehen von einer sinkenden Nachfrage im nächsten halben Jahr aus. Quelle: Dr. Fried & Partner

Ebenso deutlich brachen im März, April und Mai 2020 die Geschäftserwartungen der Unternehmen in Deutschland auf einen ifo Geschäftsklimaindex-Wert von rund 75 Punkten und damit unter das Niveau der Finanzkrise von 2009 ein. Im Juni stiegen die Einschätzungen infolge der vielerorts eingeleiteten Lockerungen wieder leicht an, um über die Monate Juli und August immerhin wieder 92,6 Punkte zu erreichen. Setzt sich dieser Trend fort, ist auch mit einer weiteren Steigerung des Konsumklimaindex zu rechnen. Das zeigen die Erfahrungen aus der Vergangenheit.

 

Coronavirus Pandemie: (Touristische) Indizes im Blick

 

Unabhängig davon: Tourismus und Reisen, die Luftfahrtindustrie und der Einzelhandel (ohne FMCG = Fast Moving Consumer Goods. Darunter versteht man Konsumgüter des täglichen Bedarfs wie Hygieneprodukte, Lebensmittel, Reinigungsmittel etc.) werden sowohl mit Blick auf die jährliche Rentabilität als auch auf die kurzfristige Liquidität stark betroffen sein. In der „Coronavirus Impact Matrix“ von Roland Berger erscheinen sie deshalb im rechten oberen Quadranten. Mehr zur Coronavirus Impact Matrix.

 

 

Erdgebundene Nahziele auch im Ausland wieder im Kommen

Innerhalb Deutschlands liegen die Nachfrageverluste des Inlandsmarktes mittlerweile bei unter 20 Prozent (Juli 2020 ggü. Vorjahr). Im Ausland zeigt die Entwicklung der Übernachtungsnachfrage der deutschen Bevölkerung allerdings ein differenzierteres Bild. In erdgebundenen Nahzielen wie Dänemark und Österreich stabilisierte sich die Nachfrage im Juli deutlich. Die Übernachtungszahlen von Deutschen in Dänemark lagen im Juli 2020 nur noch rund 20 Prozent unterhalb des Vorjahresniveaus. In Österreich wurden die Vorjahreswerte sogar fast wieder erreicht (-4,3 Prozent) [Quellen: Tourmis, Statistik Austria] Viele Reisen in diese Länder wurden jedoch individuell und nicht über Reisebüros gebucht.

Klassische Pauschalreiseziele wie z. B. Spanien oder die Türkei sowie Fernreisen oder Kreuzfahrten, die häufig über Reisebüros gebucht werden, stagnieren weiterhin. In Spanien lagen die Rückgänge auch im Juli noch bei knapp 80 Prozent (Quelle Instituto Nacional de Estadística). Die landesweite Reisewarnung wird die Situation in Spanien den kommenden Monaten noch verschärfen. Aber auch Österreich wird sich vermutlich auf erneute Einbrüche einstellen müssen, da Wien bereits zum Risikogebiet erklärt wurde.

 

Pauschale Reisewarnung bis Ende September

Auch wenn die pauschale Reisewarnung für rund 160 Länder außerhalb der EU und des Schengen-Raums am 30. September 2020 (voraussichtlich) enden wird, sieht es nicht nach Entspannung für die Branche aus. Die steigenden Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern dämpfen die Reiselust der Deutschen weiterhin. Individuelle Reisewarnungen je nach Situation vor Ort machen es den Kund*innen und vor allem auch den Reisebüros nicht leichter, einen unbeschwerten Urlaub zu buchen und genießen.

 


 

dwif-Corona-Kompass liefert aktuelle Zahlen, Daten & Fakten

dwif Corona Kompass 2020 Cover

Auch unsere Zahlen im dwif-Corona-Kompass zeigen, dass die Auswirkungen der Corona-Krise die Tourismusbranche außergewöhnlich stark treffen. Nach unserer aktuellen Hochrechnung ist aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus allein für März, April und Mai mit Umsatzeinbußen von rund 35 Mrd. Euro in den Destinationen in Deutschland zu rechnen. Der Tagestourismus hat daran einen Anteil von über 60 Prozent.

Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein für den Tourismus als eine der Leitökonomien in Deutschland weiter zu schärfen. Der Tourismus generiert in Kommunen, Destinationen und Bundesländern ökonomischen Mehrwert, der im Jahr 2020 massiv zurückgehen wird.

Der dwif-Corona-Kompass liefert Destinationen, Gastgewerbe und Freizeitwirtschaft in dieser anspruchsvollen Zeit nutzenstiftende Fakten zu den Auswirkungen der aktuellen Krise. Dazu finden Touristiker*innen auf einer kommentierten Infografik wichtige Schlüsselkennziffern, die sie mit ihrer realen Situation vergleichen können sowie einen Ausblick auf die zu erwartenden Regenerationsgeschwindigkeiten in einzelnen Tourismussegmenten.

Mehr zum dwif-Corona-Kompass

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