Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen im Gastgewerbe steigt

Kritische Situation im deutschen Gastgewerbe: Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Einige Regionen sind hier in besonderem Maße betroffen und müssen künftig noch aktiver versuchen, diesem Mangel entgegenzuwirken.

dwif Zahl der Woche:Zimmerauslastung in der deutschen Hotellerie im 1. Halbjahr 2019 leicht gestiegen (Bild: freepik)

Ein Fünftel der Stellen unbesetzt – Saarland besonders betroffen

19,8 Prozent der Ausbildungsplätze im deutschen Gastgewerbe, und damit rund 6.500 von den gut 33.000 gemeldeten Ausbildungsstellen, konnten im Vorjahr nicht besetzt werden. Damit hat sich der Anteil unbesetzter Azubi-Plätze in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Im Jahr 2008 waren lediglich 9,5 Prozent der Ausbildungsstellen unbesetzt. Vom Azubi-Mangel besonders betroffen ist das Saarland. Hier konnte jede dritte Ausbildungsstelle im Gastgewerbe (32,4 Prozent) nicht besetzt werden. Am komfortabelsten ist die Situation für die gastgewerblichen Betriebe in Hamburg. Dort blieb im Vergleich nur 3,8 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt.

 

Das Gastgewerbe schneidet im Branchenvergleich schlecht ab

Im Vergleich mit anderen Branchen ist das Gastgewerbe ein echtes Sorgenkind. In der Gesamtbetrachtung aller Branchen lag der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen in Deutschland „nur“ bei 10,2 Prozent. Der starke Anstieg gegenüber dem Vergleichsjahr 2008 (3,8 Prozent) zeigt, dass aber über alle Branchen hinweg Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen bestehen.

 

dwif Fachkraeftemangel Gastgewerbe

 

Ausbildung im Gastgewerbe wenig beliebt

Obwohl das Gastgewerbe in Deutschland rund 6 Prozent aller Ausbildungsplätze stellt, findet sich keiner der gastgewerblichen Berufe in den Hitlisten der beliebtesten Ausbildungsberufe. Berufe wie Koch/Köchin, Restaurantfachkraft und Fachkraft für Systemgastronomie tauchen regelmäßig unter den unattraktivsten Ausbildungsberufen auf. Und dass, obwohl diese Ausbildungsstellen sogar vergleichsweise gute Gehaltschancen bieten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat 2015 in seinem Expertisebericht festgestellt, dass insbesondere Berufe im Gastgewerbe sowie dem gastronomienahen Handwerk seit Jahren große Besetzungsprobleme haben. Die Liste der zehn Berufe mit dem höchsten Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen führt die Restaurantfachkraft (35,2 Prozent) an, es folgen u. a. das Fleischerhandwerk, Fachverkäufer*in im Lebensmittelhandwerk, Fachkraft für Systemgastronomie, Bäckerhandwerk, und Koch/Köchin.

Erschwerend kommt hinzu, dass dieselben Berufe auch die höchsten Quoten der vorzeitigen Vertragslösungen aufzeigen. Die Hälfte aller Auszubildenden zur Restaurantfachkraft (50,5 Prozent) und Köche/Köchinnen (48,6 Prozent) löst den Vertrag vorzeitig auf. Auch bei den Fachkräften im Gastgewerbe, den Fachkräften für Systemgastronomie und den Hotelfachkräften liegen die Abbruchsquoten bei über 40 Prozent. Und ein weiterer, beträchtlicher Anteil kann die Ausbildung nicht erfolgreich abschließen.

 

Wie können Sie dem Fachkräftemangel im Gastgewerbe begegnen?

Letztendlich führt die hohe Anzahl an unbesetzten Ausbildungsstellen und eine überproportional hohe Lösungsquote von bestehenden Ausbildungsverträgen dazu, dass den gastgewerblichen Betrieben durch Abwanderung oder Pensionierung von ausgebildetem Fachpersonal mittel- bis langfristig ausgebildetes Personal fehlt.

Die bisher getroffenen Maßnahmen zur Behebung des Azubi-Mangels sind vielfältig und auf verschiedenen Ebenen angesiedelt. Bundesweite, regionale, betriebsketten-spezifische und einzelbetriebliche Maßnahmen waren in den Medien publik. Der Erfolg der Maßnahmen ist bisher jedoch nicht auseichend.

Vor allem die Betriebe müssen dringend an der Qualität und der Attraktivität ihrer Ausbildung arbeiten. Einen hohen Einfluss haben u.a. der allgemeine Ruf des Ausbildungsbetriebs inkl. des Arbeitsklimas und der gegenseitigen Wertschätzung.

Dazu kommen die Arbeitszeitregelungen, Bezahlung von Überstunden und die Vergütung. Weiterhin sind die Lage und Mobilitätsanbindung sowie eventuelle Fahrtkostenzuschüsse vor allem im ländlichen Raum wichtig.

In Regionen mit hoher Tourismusintensität ist auch die Möglichkeit, eine betriebsnahe, bezahlbare Unterkunft zu bewohnen, mitentscheidend. Die Betriebe können, müssen aber nicht in den sozialen Netzwerken für sich werben. Wo Auszubildende sich wohl fühlen, spricht sich in den Arbeitgeber-Bewertungsportalen meist schneller rum und wird von der jungen Generation auch eher wahrgenommen als die eigenen Kampagnen.

 

Touristischer Arbeitsmarkt: Thema mit Dauerbrenner-Charakter

Sparkassen Tourismusbarometer OSV 2012 dwif Arbeitsmarkt CoverDie Fachkräftesicherung ist eines der zentralen Zukunftsthemen für die Tourismusbranche, denn der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter nimmt stetig zu. Aufgrund der hohen Dienstleistungsintensität und des entsprechenden Personalbedarfs ist der Druck, geeignete Arbeitskräfte zu gewinnen, besonders hoch. Im Tourismus kommen die ungünstigen Rahmen- und Arbeitsbedingungen erschwerend hinzu; entsprechend negativ ist die Außenwahrnehmung der Branche.

Bereits 2012 war der "Touristische Arbeitsmarkt" deshalb Schwerpunktthema im Sparkassen-Tourismusbarometers Ostdeutschland. Anhand des typischen Werdeganges eines Arbeitnehmers – von der Phase der Berufsorientierung über die Ausbildung und Beschäftigung bis hin zur kontinuierlichen Weiterbildung während des Berufslebens – werden hier die Probleme und Handlungsmöglichkeiten der Branche aufgezeigt. Die Thematik ist brisanter denn je!

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