Update Februar
2021

dwif-Corona-Kompass

Wir möchten Destinationen, Gastgewerbe und Freizeitwirtschaft an dieser Stelle nutzenstiftende Fakten zu den Auswirkungen der aktuellen Krise geben und gemeinsam mit Ihnen den Blick in die Zukunft richten.

Sie alle sind mit der Bewältigung der durch das Coronavirus ausgelösten Krise beschäftigt. Die Nachfrage ist eingebrochen, dann hat sie wieder angezogen und ist nun erneut eingebrochen. Existenzen stehen auf dem Spiel und weitere Einschränkungen sind auch für die nächsten Monate absehbar, wenngleich die Lerneffekte aus der ersten Recovery-Phase und die anlaufenden Impfungen zunehmend Perspektiven aufzeigen. Wie groß die kurzfristigen Verluste an Nachfrage, Umsätzen und Einkommen sind, können wir mittlerweile bilanzieren.

SICHER IST: Unsere Branche trifft es nach wie vor extrem hart und sie wird eine lange Erholungsphase benötigen.

SICHER IST AUCH: Sie brauchen weiterhin Orientierung und Vergleichszahlen. Das haben uns die vielen Rückmeldungen zu unseren bisherigen Ausgaben des dwif-Corona-Kompass gezeigt. Vielen Dank für diese Bestätigung.

Wir liefern Ihnen weiterhin das erforderliche Benchmarkwissen: Schritt für Schritt und immer dann, wenn belastbare Daten vorliegen. Wie Sie es von uns kennen, sind es Zahlen und Fakten aus unserem dwif-eigenen Datenreservoir sowie aus weiteren, fundierten Quellen.

dwif-Corona-Kompass liefert Fakten

In unserem dwif-Corona-Kompass finden Sie wichtige Schlüsselkennziffern mit kommentierten Infografiken. Diese können Sie mit Ihrer Situation vor Ort vergleichen.

Laufend aktualisierte Einschätzungen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Deutschlandtourismus und unser Blick auf die einzelnen Tourismussegmente runden unser Informationspaket ab.

Gastgewerbe-Spezial Schleswig-Holstein: Befragung zur Corona-Krise und Blick in die Zukunft

31. Mai 2021: Mehr als ein Jahr ist es mittlerweile her, dass die Corona-Pandemie unsere Welt auf den Kopf gestellt hat. Und damit auch das Reisen und die Lebensgrundlage vieler Menschen und Betriebe im „echten Norden“. Wie ist es ihnen ergangen? Und was erwarten sie sich von der Zukunft? Wir haben nachgefragt!

dwif & TrustYou Destinations-Ranking 2021 inklusive Covid Score veröffentlicht

03. Mai 2021: Hygienemaßnahmen, Maskenpflicht und Abstandsregeln – die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Ansprüche der Gäste verändert und beeinflussen damit das Qualitätsbewusstsein. Das dwif & TrustYou Destinations-Ranking 2021 erfasst deshalb erstmals mit dem Covid Score zusätzlich auch die Gästezufriedenheit rund um das Thema Hygienemaßnahmen.

AKTUELLE INFORMATIONEN

Die Flut an Informationen zum Thema Corona und Tourismus ist groß. Wir stellen Ihnen genau deshalb hier unsere spezielle Auswahl hilfreicher Fakten & Tipps zur Verfügung.

Rund 69 Mrd. Euro Verlust

in den Destinationen in Deutschland durch die Auswirkungen des Coronavirus im Zeitraum März bis Dezember 2020

Nach unseren exklusiven Berechnungen im Februar 2021 beläuft sich der Umsatzausfall in den Destinationen in Deutschland für den Zeitraum März bis Dezember 2020 auf 68,7 Mrd. Euro. Der Tages- und der Übernachtungstourismus sind davon fast gleichermaßen betroffen. Das entspricht rein statistisch wöchentlichen Umsatzeinbußen in Höhe von knapp 1,6 Mrd. Euro.

Lockdown & Recovery

Spannend ist ein Blick in die unterschiedlichen Phasen von Lockdown und Recovery: Der Umsatzausfall in den Monaten März, April, Mai sowie November und Dezember 2020 (stark von den Lockdowns betroffene Monate) umfasst zusammen 50,8 Mrd. Euro mit einem etwas stärkeren Anteil durch den Tagestourismus.

Im Zeitraum Juni bis Oktober 2020 kamen weitere 17,9 Mrd. Euro hinzu, allerdings mit einem Schwerpunkt im Übernachtungstourismus. Eine schnellere Erholung vieler Segmente im Tagestourismus und Kompensationseffekte zu ausgefallenen Urlauben insbesondere in den Sommerferien sind mögliche Erklärungsansätze.

Freiwillige Aufgabe Tourismus unter Druck

Die Umsatzausfälle durch ausbleibende Gäste und zunehmend unter Druck geratende öffentliche Haushalte führen auch bei Tourismusorganisationen zu existenziellen Fragen sowie zur Überprüfung der freiwilligen Aufgaben durch die Kommunen.

Details zur Berechnung

Für die Berechnung des Umsatzausfalls wurden die Übernachtungszahlen der amtlichen Statistik für März bis November berücksichtigt, Hochrechnungen für Privatquartiere, Dauercamping und Reisemobilisten sowie den Monat Dezember durchgeführt und aktuelle Zahlen des dwif-Tagesreisenmonitors verwendet.Fahrtkosten für die An- und Abreise sind dabei noch nicht enthalten.

Download
dwif-Corona-Kompass

Video
dwif-Corona-Kompass

Externe Weiterleitung Youtube
Das Update des dwif-Corona-Kompass wurde am 09. Februar 2021 im Rahmen unserer Online-Reihe dwif-Impulse präsentiert. Mit Norbert Kunz (DTV) sprachen wir zudem über die Perspektiven für den Deutschlandtourismus.

  • Was bedeutet das für Sie als politische Entscheider*innen und Verantwortliche in den Destinationen?

    • Stärken Sie die öffentliche Wahrnehmung der Tourismus- und Freizeitbranche als Wirtschaftsfaktor.
    • Stoßen Sie aktiv Diskussionen rund um das Thema „freiwillige Aufgabe Tourismus“ an, Transparenz und ein offenes Miteinander sind hier wichtig. Schaffen Sie damit einen Schulterschluss zwischen kommunalen Entscheider*innen und Touristiker*innen.
    • Führen Sie gerade jetzt die vielerorts angeschobenen Prozesse zur Bildung wettbewerbsfähiger Destinationsmanagementorganisationen weiter bzw. initiieren Sie diese (Aufgabenteilung, Finanzierung etc.)
    • Haben Sie schon jetzt die Spätfolgen der Corona-Pandemie im Blick, wie die Auswirkungen auf den touristischen Arbeitsmarkt, die Finanzierung oder die Qualitätsentwicklung. Erste Anzeichen im touristischen Arbeitsmarkt deuten sich schon jetzt an, z. B. über rückläufige Zahlen bei den versicherungspflichtig Beschäftigten oder Abwanderungen in andere Branchen.
Das Übernachtungsvolumen ist 2020 auf das Niveau zur Zeit der Deutschen Wiedervereinigung eingebrochen.

Dr. Mathias Feige

Geschäftsführer

Aktuelle Markttrends & unsere Empfehlungen

dwif Corona-Kompass 2021 Update Februar Übernachtungstourismus
dwif Corona-Kompass 2021 Update Februar Übernachtungstourismus II

ÜBERNACHTUNGSTOURISMUS

Rund 169 Mio. gewerbliche Übernachtungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Das ist die Bilanz der Monate Januar bis November 2020. Seit November befindet sich die Branche wieder im Lockdown und die Übernachtungsrückgänge im Zeitraum Januar bis November 2020 liegen in den Bundesländern zwischen 16 und 62 Prozent.

In den Küstendestinationen fallen die Nachfragerückgänge moderater als in anderen Destinationstypen aus, lokal gab es teilweise sogar Zuwächse durch die Sommersaison. Die Städte verlieren weiter überdurchschnittlich. Auch in den Herbstferien (Oktober 2020) gab es einige Regionen mit positiven Entwicklungen (z. B. Rügen/Hiddensee mit +19 Prozent) bei der Übernachtungsnachfrage, während der Motor in den Städten immer noch nicht wieder ansprang (z. B. Berlin mit -71 Prozent).

Zunehmende Segmentierung und Fragmentierung im Tourismus

Gleichzeitig hält der hohe Rückgang der Übernachtungen deutscher Gäste im Ausland und ausländischer Gäste im Inland aufgrund der internationalen Reisebeschränkungen weiter an und die Schere zwischen Ferienregionen und Städten geht weiter auseinander.

Insgesamt bleibt die Marktentwicklung durch Reisewarnungen, Lockdown und Ängste potenzieller Reisender jedoch sehr labil. Die derzeit fehlende echte Perspektive führt zu einer zusätzlichen Unsicherheit bei Anbieter*innen ebenso wie bei Nachfrager*innen für die Planungen in den kommenden Monaten.

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Dabei wäre aus touristischer Sicht ein schrittweiser Saisonstart ab März/April 2021 wichtig, sofern mit Blick auf das Infektionsgeschehen realistisch. Denn durch die Lockdown-Monate Januar und Februar starten viele Destinationen bereits wieder mit einem Minus von 10 bis 15 Prozent (gemessen am Übernachtungsvolumen in einem Normaljahr) in das Tourismusjahr 2021.

Die deutschen Bergregionen und einmal mehr die Städte stehen vor besonderen Herausforderungen durch den aktuellen Lockdown. Das gilt mit Blick auf die Marktanteile dieser Monate und die im Vergleich zum Gesamtjahr höhere Bedeutung des Incoming-Tourismus (in einem Normaljahr) in den Wintermonaten. Entsprechend stärker sind die Auswirkungen des derzeitigen Lockdowns in Destinationen mit hohem Incoming-Anteil zu spüren.

Fassen wir die aktuellen Entwicklungen zusammen

Die Zahlen belegen: 2020 gibt es keine „Krisen-Gewinner“ im Deutschland-Tourismus, nur weniger stark betroffene Destinationen. Zwar wirken der Leisure-Tourismus und die Inlandsmärkte stabilisierend, doch können sie die Ausfälle u. a. bei Geschäftsreisen und im Incoming-Segment nicht ausgleichen (so geht die DZT laut einer aktuellen Studie davon aus, dass das 2019er-Niveau des Incoming-Tourismus erst 2024 wieder zu erreichen sein wird). Parallel dazu hält der Trend zu einem verstärkten Kurzfristgeschäft an. Hier gilt es, sich bei Lockerungen der Restriktionen auf einen Buchungsansturm vorzubereiten. Dazu braucht es ineinandergreifende Prozesse und entsprechende technische Voraussetzungen.

Aus der ersten Recovery-Phase haben wir auch gelernt, dass Marktregeln und bekannte Muster temporär ausgesetzt sind: Die Entwicklung geht von gesättigten zu ungesättigten Märkten. Das bedeutet, nicht die Attraktivität oder die Begehrlichkeit einer Destination entscheidet, sondern politische Rahmenbedingungen rund um die Ausweisung von Risikogebieten und Einreisebestimmungen. Diese Entwicklung führt derzeit zu einer vielerorts beobachteten Strukturumkehr und einer zunehmenden Segmentierung und Fragmentierung im Übernachtungstourismus: unterschiedliche Entwicklungen zwischen Betriebs- und Destinationstypen, aber auch zwischen einzelnen Betrieben vor Ort und in Abhängigkeit von der Bedeutung einzelner Marktsegmente (Geschäftsreiseverkehr/MICE, Ausland, Gruppengeschäft, Betriebsformen).

Ein Ende dieser Situation ist noch nicht in Sicht und wird aller Voraussicht nach andauern, bis das objektive und subjektive Sicherheitsempfinden wieder auf ein Normalniveau zurückkehrt.

Auswirkungen der Corona-Pandemie – erste Signale auf der Angebotsseite

Die verfügbaren Beherbergungskapazitäten in Deutschland sind im Sommer 2020 um -5,5 Prozent im Vergleich zu 2019 zurückgegangen. Gleiches Bild wie auf der Nachfrageseite: Städtisch geprägte Bundesländer und Destination sowie die Kategorien Gruppenunterkünfte und Hotellerie waren stärker von Kapazitätsrückgängen betroffen. Im Lockdown-Monat November ging die Zahl der geöffneten Betriebe dann um -16 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück, die angebotenen Schlafgelegenheiten um -15 Prozent. Eine Ausnahme bildet weiterhin der Ferienwohnungsmarkt, der 2020 angebots- wie nachfrageseitig sogar mit Zuwächsen aufwarten kann.

Die Rückgänge bei den angebotenen Kapazitäten zeigen, dass selbst im Sommer 2020 einige Betriebe nicht wieder an den Markt gegangen sind. Noch ist nicht abschließend zu bewerten, was temporäre Effekte sind und wo es sich tatsächlich um dauerhafte Schließungen handelt. dwif-Befragungen deuten jedoch auf zunehmende Marktaustritte insbesondere in den stark wirtschaftlich betroffenen Segmenten Gastronomie und Eventanbieter hin. Im Beherbergungsgewerbe ist noch kein klarer Trend erkennbar.

Handlungsempfehlungen für Betriebe & Destinationen
  • Berücksichtigen Sie das veränderte Buchungsverhalten. Bauen Sie so viel Flexibilität wie möglich ein, passen Sie ggf. Stornobedingungen an, geben Sie Sicherheit und setzen Sie auf Hygienemaßnahmen vor Ort.
  • Kundenbindungsmaßnahmen nehmen weiter an Bedeutung zu. Die erste Recovery-Phase hat gezeigt, wie groß der Wunsch nach Reisen ist, wenn es wieder möglich ist.
  • Nachfrageseitig sind bislang keine Signale für eine mittelfristige Verhaltensänderung im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie zu beobachten. Stellen Sie sich daher auf einen sogar noch zunehmenden Wettbewerb ein.
  • Stellen Sie sich auch mittelfristig auf veränderte Angebots- und Nachfragestrukturen ein. Dafür braucht es ein gutes Krisen- und Recovery-Monitoring in den Destinationen.
  • Sicherheit und transparente Kommunikation mit und für Besucher*innen, Beschäftigte, Bevölkerung und Betriebe sind das A und O im weiteren Verlauf der Corona-Pandemie.
  • Überdenken Sie Geschäftsmodelle und prüfen Sie neue Wege der Kund*innenansprache (z. B. Themen- und Zielgruppenausrichtung anpassen)
  • Stärken Sie die Lobbyarbeit im Tourismus. Ein vereintes Wir-Gefühl als Signal in Politik und übrige Wirtschaft, aber auch als Stärkung der Branche nach innen ist wünschenswert.
  • Stellen Sie sich schon jetzt auf die erneute Recovery-Phase ein, aber auch auf einen weiterhin „wellenförmigen“ Weg im Umgang mit der Corona-Pandemie mit wechselnden Einschränkungen und Lockerungen im Verlauf der nächsten Monate.

GASTGEWERBE

Seit dem letzten Status quo im November und der erneuten pandemiebedingten Schließung des Gastgewerbes hat sich sowohl die Stimmung als auch die finanzielle Lage der Betriebe im Gastgewerbe weiter verschlechtert. Durch starke Umsatzverluste, ausbleibende Investitionen und Personalabwanderung wird die Zeit nach dem Re-Start für alle Beteiligten eine große Herausforderung.

Fokus Hotelmarkt

Nachdem die deutschen Hotelbetriebe ihre Auslastung in den letzten Jahren stetig verbessern konnten, weisen sie im Jahr 2020 einen Rückgang von 56 Prozent aus (Quelle: STR-Global). Bundesweit sind allerdings starke Unterschiede zu beobachten.

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Hotelbetriebe in den Küstenbundesländern Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein hatten einen Auslastungsrückgang von weniger als 40 Prozent, in Bayern und Berlin waren es hingegen über 60 Prozent. Insgesamt waren bislang die städtische Hotellerie und Betriebe an Standorten mit hoher internationaler Nachfrage überdurchschnittlich stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen.

In der Preispolitik sind die Unterschiede zwischen den Regionen ebenso sichtbar: Hotelbetriebe in den Küstenbundesländern konnten ihre Preise während der Corona-Pandemie durchschnittlich sogar erhöhen. In Hamburg, Berlin und Bayern lagen die Durchschnittspreise mehr als 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Finanzielle Situation der Betriebe

Insgesamt hat sich die finanzielle Lage der Hotelbetriebe verschlechtert. Laut der aktuellen DEHOGA-Blitzumfrage vom Januar 2021 ist der Umsatz der befragten Betriebe im Gesamtjahr 2020 um durchschnittlich 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die zunehmende Verunsicherung über die Zukunft verstärkt das negative Stimmungsbild. Mittlerweile sehen sich drei Viertel der gastgewerblichen Betriebe in ihrer Existenz gefährdet. Im November 2020 lag der Wert noch bei 60 Prozent.

Jedoch muss auch hier differenziert werden. Auf der einen Seite konnten Hotels mit Lage an touristischen Sommer Hot-Spots einen finanziellen Puffer aufbauen und sind häufig vom Herbst-/ Winter-Lockdown weniger betroffen. Auf der anderen Seite sind durch die andauernden Umsatzausfälle – kombiniert mit den bis zum Jahresende 2020 geltenden Hilfsobergrenzen – zunehmend auch große Betriebe und regionale deutsche Hotelketten angeschlagen und benötigen Unterstützung. Die Hilfsprogramme waren auf Grund der Obergrenzen bisher stark auf kleine und mittelständische Betriebe ausgelegt. Die EU hat hier nachgebessert und die Beihilfegrenze von 0,8 auf 2,0 Mio. Euro erhöht. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn somit können auch größere Betriebe, regionale mittelgroße Hotelketten und Systemgastronomen darauf zugreifen.

Wie stark sich die Corona-Pandemie in Insolvenzen niederschlagen wird, ist aus den zur Verfügung stehenden Zahlen noch nicht abzulesen. Denn durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis mindestens bis zum 30. April 2021 müssen zahlungsunfähige und überschuldete Betriebe nicht wie bisher binnen 3 Wochen einen Antrag auf Insolvenz einreichen.

Zwischen Optimismus & Zurückhaltung – touristischer Arbeitsmarkt als Risikofaktor beim Re-Start

Ob der Re-Start nach der Wiedereröffnung genauso gut gelingt wie im späten Frühjahr 2020, ist unklar. In der dwif-Gastgewerbeumfrage gab fast die Hälfte der Betriebe an, dass sie länger als 12 Monate benötigen werden, bis sie wieder das Nachfrageniveau aus 2019 erreichen. Andersherum ausgedrückt, ist etwas mehr als die Hälfte der Betriebe optimistisch, dass eine Erholung innerhalb eines Jahres möglich sein wird. Hier spiegelt sich erneut die unterschiedlich starke standortbezogene Betroffenheit wider. Neben den finanziellen Aspekten kommt bei einem Großteil der aktuell geführten Diskussionen ein Thema zu kurz: das Abwandern der Fachkräfte in andere Branchen. 61 Prozent der befragten Betriebe der dwif-Gastgewerbeumfrage geben an, dass Mitarbeiter*innen und Fachkräfte bereits in andere Branchen wechseln.

Handlungsempfehlungen für Betriebe und Destinationen
  • Stellen Sie sich kurz- bis mittelfristig auf fortlaufende Einschränkungen ein.
  • Sichern Sie primär die Liquidität des Betriebes durch gutes Kennzahlenmanagement und Gesprächen mit der Bank und dem Steuerbüro.
  • Nutzen Sie die Zeit weiterhin für strategische Überlegungen, Produktentwicklungen und (sofern Mittel vorhanden) für Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen.
  • Binden Sie Ihre Fachkräfte an sich durch gute, häufige und transparente Mitarbeiter*innen-Kommunikation.
  • Erstellen Sie jetzt schon ein Konzept für mögliche erste/eingeschränkte Öffnungsschritte.
  • Prüfen Sie weitere Einsparpotenziale oder handeln Sie Verlängerungen von Übergangskonditionen aus (Zulieferer, Versicherungen, Energieversorger und IT-Dienstleister, Einkaufsgemeinschaften etc.).
  • Beherbergungsgewerbe: Stellen auch Sie Ihr Geschäftsmodell und Ihre Zielgruppen auf den Prüfstand, beispielsweise durch (Teil)Umstellung auf Langzeit-Vermietung, Zielgruppendifferenzierung von Tagungshotels etc.
dwif Corona-Kompass 2021 Update Februar Gastgewerbe
dwif Corona-Kompass 2021 Update Februar Freizeitwirtschaft & Tagestourismus
dwif Corona-Kompass 2021 Update Februar Tagesreisen

FREIZEITWIRTSCHAFT & TAGESTOURISMUS

Der Tagestourismus ist ein milliardenschweres Standbein im Deutschlandtourismus und wichtig für eine kontinuierliche Auslastung vieler Einrichtungen und Anbieter*innen. Die Rückgänge der Tagesreisen im Corona-Jahr 2020 belaufen sich nach Ergebnissen des bundesweiten dwif-Tagesreisenmonitors auf rund 19 Prozent.

Dabei haben wir eine schnelle Regenerationsgeschwindigkeit mit Kompensationseffekten aus dem Übernachtungstourismus im Juli, August und September 2020 festgestellt. Aber: Auch in der Re-Start-Phase ist mit einer Verlagerung auf „naturnahe Aktivitäten“ und Tagesausflüge im näheren Wohnumfeld zu rechnen. So verzeichneten Tagesausflüge mit den Aktivitäten Wandern oder Radfahren 2020 sogar einen absoluten Nachfragezuwachs von 25 Prozent, während die Zahl von Shopping-Ausflügen um 20 Prozent zurückging und der Besuch von Veranstaltungen um 64 Prozent einbrach. Das mindert die Wertschöpfungseffekte. Das Ausflugsverhalten – bezogen auf Motive und Aktivitäten – im November/Dezember2020 war zudem vergleichbar mit Trends im Frühjahrs-Lockdown.

Freizeitwirtschaft durch Corona hart getroffen

Die Freizeitwirtschaft ist durch die Lockdowns weiterhin hart getroffen. Doch wie im Gastgewerbe, gilt es auch hier genauer hinzuschauen.

Saisonbetriebe sind vom zweiten Lockdown kaum beeinträchtigt. Outdoor-Einrichtungen wie Landschaftsattraktionen und Zoos/Tierparks kommen sogar am besten durch die Krise, zumindest was das Minus bei den Besucherzahlen anbelangt. Je nach Freizeitsegment liegen die Rückgänge weit gespreizt zwischen -6 und -70 Prozent.

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Unsere dwif-Umfrage im Rahmen der Sparkassen-Tourismusbarometer Anfang Dezember zeigte: Jede 5. Freizeit- und Kultureinrichtung sieht sich in ihrer Existenz bedroht. Und auch kommunale Einrichtungen geraten zunehmend unter Druck, können mittlerweile aber auch auf Hilfsprogramme zugreifen. Nachdenklich mit Blick auf die Attraktivität und Erlebnisqualität stimmt die Aussage der Einrichtungen, dass über die Hälfte geplante Investitionen verschieben oder ganz streichen muss.

Die Perspektiven – für den Re-Start erwarten wir

  • Outdoor-Aktivitäten während der Lockdowns häufig einzige Möglichkeit für Ausflüge; auch in der ersten Re-Start-Phase überdurchschnittlich stark
  • Gastronomie mit schneller Regenerationsphase, leichte Überkompensation in einzelnen Regionen, Standorten und je nach Betrieb möglich
  • Shopping mit schneller Regeneration, aber keine Überkompensation
  • Sehenswürdigkeiten/Kulturangebote mit langsamer Regeneration, keine Überkompensation (z. B. weiterhin Besucherbeschränkungen)
  • Veranstaltungen auch nach dem Re-Start noch über Monate hinweg weit unterdurchschnittlich (durch Beschränkungen, Vorlauf für Planungen etc.)
Handlungsempfehlungen für Betriebe und Destinationen
  • Eine transparente Kommunikation von Maßnahmen/Reglementierungen ist für die Anbieter*innen ebenso wichtig wie für die Besucher*innen. Die Content-Qualität wird somit noch wichtiger, denn die Erstinformationen erfolgen in der Regel über Online-Kanäle.
  • Derzeit wird der motorisierte Individualverkehr bei Ausflügen von einem noch größeren Anteil genutzt als in Normaljahren. Auf dieses temporäre Mobilitätsverhalten gilt es sich einzustellen.
  • Verringerte Umsatzmöglichkeiten durch „Kapazitätseinschränkungen“ werden weiterhin insbesondere bei Indoor-Angeboten Bestand haben. Prüfen Sie deshalb weiterhin Einsparpotenziale (Zulieferer, Versicherungen, Energieversorger und IT-Dienstleister etc.)
  • Legen Sie Abstands- und Hygienekonzepte langfristig an und kalkulieren Sie diesen Mehraufwand in Ihre Preise mit ein.
  • Lassen Sie bei Ihren Investitionstätigkeiten und -planungen nicht nach. Die Qualitätsansprüche der Gäste sind weiterhin hoch.

Auf den Punkt gebracht

Seit März 2020 erarbeiten wir kontinuierlich Aktualisierungen, welche touristischen Marktsegmente voraussichtlich wie stark und wie lang von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sein werden. Sie haben Fragen dazu, benötigen weitere Daten, eine Einordnung Ihrer Situation in den Gesamtzusammenhang? Wir sind gerne für Sie da und unterstützen Sie.

dwif-Corona-MindMap

Wie sich das Destinationsmanagement verändert und was für DMO in der Recovery-Phase relevant(er) wird

Unsere Anfang April 2020 veröffentlichte dwif-Corona-MindMap 1.0 hat in der Branche viel Anklang gefunden. Uns erreichten zahlreiche Anregungen und Impulse aus verschiedenen Regionen. Die Gespräche mit Branchenvertreter*innen und Destinationsmanager*innen im Rahmen unserer Corona-Coachings haben uns zu einer Neuauflage der dwif-Corona-MindMap 2.0 inspiriert.

Die Recovery-Phase sollte genutzt werden, um die Aufgabenschwerpunkte von DMOs neu zu justieren. Unsere MindMap 2.0 dient hierfür als Orientierunghilfe

Wir unterstützen Sie!

UNSERE BERATUNGSLEISTUNGEN

Unser Team steht Ihnen bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie mit Rat, Tatkraft und speziellen Beratungsleistungen zur Seite.

Ihre Ansprechpartner

Sie haben Fragen dazu, benötigen weitere Daten, eine Einordnung Ihrer Situation in den Gesamtzusammenhang?
Wir sind für Sie da und unterstützen Sie gerne.

Karsten Heinsohn

Stellv. Geschäftsführer
Leiter Marktforschung

Zahlen, Daten und Fakten zum Leben erwecken – Ich möchte komplexe Infos smarter machen.

Lars Bengsch

Geschäftsführer

Datenschätze heben – Ich möchte Marktforschung für Sie zum Aha-Erlebnis machen.

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