Lockdown-Monate Januar und Februar 2021: "nur" 17 Prozent Marktvolumen Übernachtungen ggü. Vorjahr

Die Ergebnisse der ersten zwei Monate der amtlichen Tourismusstatistik 2021 zeigen, dass mit 8,4 Millionen Übernachtungen nur knapp 17 Prozent des Marktvolumens des Jahres 2020 (Januar bis Februar 2020: 49,5 Millionen, ohne Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen) erreicht wurden. Ob „nur“ oder „immerhin“ liegt im Auge der Betrachtenden. Schließlich waren in diesem Zeitraum praktisch ausschließlich Übernachtungen aus beruflichen Gründen gestattet.

dwif Zahl der Woche: Lockdown-Monate Januar und Februar 2021:

 

Beruflich motivierte Übernachtungsaufenthalte – ein Markt mit vielen Segmenten

8,4 Mio. Übernachtungen bundesweit in den Beherbergungsbetrieben ab 10 Schlafgelegenheiten innerhalb von zwei Monaten (ohne Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen) und ein Marktvolumen im Vergleich zum Vorjahr von knapp 17 Prozent sind sicherlich kein Anlass für Jubelstürme. Und dennoch zeigen diese Zahlen, wie wichtig berufliche Übernachtungsaufenthalte auch jenseits des promotablen Geschäftsreisemarktes für die Grundauslastung an vielen Standorten und in vielen Betrieben sind, ob Hotels (garnis), Pensionen, Apartments oder Boardinghouses.

Allein die Unterschiede zwischen den Bundesländern zeigen eine breite Spanne: Während in Bremen und Brandenburg noch über 25 Prozent des „normalen“ Übernachtungsniveaus erreicht wurden, lag der Wert in Mecklenburg-Vorpommern nur bei gut 4 Prozent (Achtung: Hier mit Verbindung zu den Corona-bedingten Restriktionen). Alle anderen Bundesländer liegen in der Spanne zwischen 13 und 21 Prozent, Werte die auch in den Lockdown-Monaten November und Dezember 2020 zu beobachten waren.

 

dwif: Statistik-Update Januar Februar 2021 Corona-Kompass

 

Da privat motivierte Reisen im Zeitraum Januar bis Februar 2021 nicht gestattet waren und Klinikaufenthalte herausgerechnet sind, lassen sich die realisierten Übernachtungen letztlich auf zwei zentrale Segmente herunterbrechen: Klassische Geschäftsreisen und sonstige beruflich motivierte Übernachtungsaufenthalte. Letztere reichen von Saisonarbeitskräften im Baugewerbe, in der Landwirtschaft oder in der Logistik über Monteursaufenthalte bis hin zu modernen Wissensarbeiter*innen z. B. bei Start-Ups. Die Relevanz dieser Motive, die von längeren Intervallaufenthalten geprägt sind, lässt sich auch an der bundesweit von 2,2 auf 2,9 Tagen angestiegenen Aufenthaltsdauer in diesem Zeitraum ablesen.

Beide Marktsegmente lassen sich durch klassische Marketingaktivitäten seitens der Tourismusorganisationen und Convention Bureaus nicht beeinflussen. Sehr wohl aber durch eine klare betriebsbezogene Strategie, mit entsprechenden Angeboten rund um WLAN, Ausstattungsmerkmalen wie kleinen Küchenecken, modernen Gemeinschaftsräumen oder Yield-Management-Ansätze.

 

Lockdowns & Sommer-Boom: Hotels zwischen Anspannung und Erholung

Was in diesen Zahlen fehlt, sind viele zusätzliche klassische Geschäftsreisen, die in Corona-Zeiten deutlich reduzierter stattfinden als vorher. Und wie viele davon künftig wieder getätigt ohne dauerhaft durch virtuelle Kommunikationsalternativen ersetzt werden, das lässt sich heute noch nicht abschätzen.

Und was erst recht fehlt, das sind die Veranstaltungen des MICE-Segmentes. Egal ob Tagungen, Kongresse oder Messen, sie konnten nicht stattfinden oder mussten in den virtuellen Raum verlegt werden. Das German Convention Bureau (GCB) bringt es auf den Punkt: Persönlicher Austausch ist und bleibt ein elementarer Bestandteil von Wissenschaft und Wirtschaft. Bereits vor der Corona-Pandemie stellten die Branchenexpert*innen fest, dass kleinere Veranstaltungen bis zu 50 Teilnehmer*innen zunehmend in den virtuellen Raum verlegt wurden.

Am MICE-Standort Deutschland wurden stabile Teilnehmer*innenzahlen bei einer leicht sinkenden Zahl der Veranstaltungen beobachtet. So geht das GCB in seinen Szenarien mittelfristig sogar wieder von einem Übertreffen des Vor-Corona-Niveaus aus. Der Wunsch nach Interaktion, nach realen Orten sei weiterhin hoch, aber eben neu interpretiert. So entwickelt der Innovationsverbund „Future Meeting Space“ aus GCB und Fraunhofer IAO unterschiedliche Zukunftsformate wie Hybride multi-räumliche Veranstaltungen, in denen reale und virtuelle Interaktionen zeitgleich möglich sind.

Hier hat die Corona-Pandemie als Beschleuniger bereits bestehender Trends gewirkt, die insbesondere von der Nachfrageseite ausgehen. Die Anbietenden müssen sich auf diese Anforderungen einstellen und in Hardware ebenso wie in Service investieren. Der künftige Erfolg wird deshalb davon abhängen, wie gut man sich anpassen und verändern kann.

 


 

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Deutschlandtourismus muss Umsatzausfälle von 69 Milliarden Euro zwischen März bis Dezember 2020 verkraften.Wie hoch sind die Umsatzausfälle im Tourismus für 2020 durch die Corona-Pandemie in Deutschland? Wen trifft die Krise wie stark und was gilt es jetzt zu tun?

Mit unserem dwif-Corona-Kompass geben wir der Tourismusbranche seit Beginn der Pandemie regelmäßig nutzenstiftende Fakten zu den Auswirkungen der Corona-Krise an die Hand und richten den Blick in die Zukunft. 

Das Update des dwif-Corona-Kompass wurde am 09. Februar 2021 im Rahmen unserer Online-Reihe dwif-Impulse präsentiert.

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