Das war unser dwif-Impuls: FORECAST TRIFFT KENNZAHLEN
Ankünfte, Auslastung, Umsätze – viele Tourismusdaten zeigen erst im Rückblick, was passiert ist. Im dwif-Impuls „Forecast trifft Kennzahlen“ diskutierte unser Geschäftsführer Karsten Heinsohn mit Svend Evertz und Sabrina Winkelmann (myrate GmbH), Moritz Luft (Sylt Marketing GmbH), Patrik Poelmeyer (Tourismus-Service Butjadingen) und Ilka Kunze (weimar GmbH), wie sich Forecast-Daten und klassische Marktdaten ergänzen. Klar wurde: Erst beide Perspektiven zusammen ergeben ein belastbares Bild.

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Klassische Kennzahlen: unverzichtbar, aber mit Grenzen
Amtliche Statistik, Gästebefragungen, Bewertungen und betriebliche Kennzahlen bleiben die Grundlage für strategische Entscheidungen, Angebotsentwicklung und Erfolgskontrolle in Destinationen. Sie zeigen zuverlässig die großen Linien und langfristigen Entwicklungen.
Karsten Heinsohn machte zudem deutlich, wo ihre Aussagekraft, aber auch ihre Grenzen liegen, denn die amtliche Statistik erfasst Betriebe ab zehn Betten, die Privatvermietung fehlt. Auf lokaler Ebene können Schließungen oder verspätete Meldungen die Zahlen verzerren. Von Januar bis August 2026 lagen die Übernachtungen in Deutschland mit +0,5 % auf Vorjahresniveau. Erst weitere Quellen vervollständigen das Bild: Laut STR Global ist die Auslastung der Hotellerie leicht gestiegen, bei weitgehend stabilen Preisen. Unternehmensabschlüsse zeigen jedoch, dass steigende Kosten die nominalen Umsatzzuwächse aufzehren, sodass Umsätze und Gewinnmargen real sinken.
„Man braucht Mut und Willen, sich mit Kennzahlen zu beschäftigen.“
Karsten Heinsohn, dwif-Consulting GmbH
Und das dwif-Besuchermonitoring zeigt, dass viele Kultur- und Freizeiteinrichtungen wegen anhaltender Konsumzurückhaltung unter Druck stehen. Was das Bild komplett macht, ist der Blick nach vorn. Wie entwickeln sich Verfügbarkeiten und Preise in den kommenden Wochen und Monaten?
Der Blick nach vorn: Preise und Verfügbarkeiten für 365 Tage
Genau hier setzt myrate an und erfasst Preis- und Belegungsinformationen von online buchbaren Beherbergungsbetrieben (Hotels, Ferienwohnungen und -häuser etc.) für die kommenden 365 Tage. Die Daten werden umfassend bereinigt, etwa um inaktive Accounts, und nach Betriebstypen gruppiert. So sind sie auch über Regionen und Landesgrenzen hinweg vergleichbar.
Ein zentraler Befund aus den Daten: Viele Betriebe sind zu spät buchbar. Zuletzt waren in Küstenregionen rund zwei Drittel der Unterkünfte für den kommenden Sommer noch nicht online buchbar, obwohl die Vorausbuchungen in diesem Jahr bereits Mitte September begannen. Wer dann nicht buchbar ist, verschenkt Nachfrage, und das Marketing der Destination verpufft.
„Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass die Beherberger ihre Betriebe frühzeitig buchbar machen.“
Svend Evertz, myrate GmbH
Aus der Praxis: Daten als Gesprächsanlass und Entscheidungshilfe
Für Patrik Poelmeyer sind die Daten vor allem auch ein Aufhänger, um mit Leistungsträgern ins Gespräch zu kommen. Der myrate-Gästeradar zeigt, wann wie viele Gäste vor Ort sind. Auf dieser Basis boten Wattführer*innen an vermeintlich schwachen Tagen zusätzliche Touren an und die waren gut gebucht. Gastgeber*innen, die ihren Mindestaufenthalt von fünf auf drei Nächte senkten, verzeichneten deutlich mehr Übernachtungen.
„Wir haben gelernt, nicht nur zurückzuschauen, sondern regelmäßig nach vorne zu blicken.“
Patrik Poelmeyer, Tourismus-Service Butjadingen
Moritz Luft setzt Marketingbudgets auf Sylt früher und zielgruppengenauer ein und zeigt Privatgastgeber*innen, wie sie ihre Preise stärker an der Nachfrage ausrichten können. Da nur ein kleiner Teil der Buchungen über die eigene Buchungsplattform läuft, hatte die DMO bisher kaum Einblick ins Buchungsgeschehen. Die Daten zeigen nun erstmals das Bild der gesamten Insel.
„Wir wollen, dass wir gemeinsam mit den Gastgebern aus den Zahlen lernen und nicht nur wir als Sylt Marketing.“
Moritz Luft, Sylt Marketing GmbH
Ilka Kunze stimmt in Weimar die Jahresplanung taggenau ab und prüft, wo Veranstaltungen wie der Zwiebelmarkt Impulse setzen und wo es Lücken gibt. Auf dieser Basis plant sie Kampagnen gemeinsam mit Partnern und kann zeitnah prüfen, ob und wie sie wirken.
„Wir haben ein Tool gesucht, um in die Zukunft zu blicken und es gefunden.“
Ilka Kunze, weimar GmbH
Vorausschau und Rückblick zusammendenken
Einig war sich die Runde, dass Forecast-Daten die klassischen Kennzahlen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Zugleich machen Forecast-Daten Effekte sichtbar, die sonst verborgen blieben. Moritz Luft nannte ein Beispiel. So stiegen kurz vor Ostern an der Nordsee plötzlich die freien Kapazitäten, an der Ostsee sanken sie weiter. Der Grund war die Wettervorhersage, denn dank flexibler Stornobedingungen buchen viele Gäste mehrere Ziele parallel und entscheiden kurzfristig, wohin es geht. Aus diesen und weiteren Erkenntnissen lassen sich Begründungszusammenhänge ableiten und konkrete Maßnahmen ergreifen.
Die Daten sind für alle Betriebstypen und -größen relevant, betonte Sabrina Winkelmann. Auch Ferienwohnungen und Pensionen erkennen mit Marktdaten, ob schwache Nachfrage am Gesamtmarkt oder an der eigenen Positionierung liegt.
„Wir haben so viele Daten vorliegen, wir müssen sie auch nutzen.“
Sabrina Winkelmann, myrate GmbH
Buchbarkeit und Preise: Die KI liest mit
Kritisch sieht Svend Evertz sogenannte Platzhalterpreise. Denn viele Betriebe tragen für Zeiträume weit in der Zukunft vorläufig sehr hohe Preise ein. KI-gestützte Reiseassistenten werten diese Angaben mit aus, stufen die Region als teuer oder ausgebucht ein und empfehlen stattdessen andere Ziele, wo Angebote deutlich früher gepflegt werden. Die KI liest also gnadenlos mit und lernt daraus.
Das Fazit: Mit Daten früher erkennen und gemeinsam handeln
- Das Zusammenspiel von klassischen Kennzahlen und Forecast-Daten macht Entscheidungen besser, operativ wie strategisch.
- Räumliche und zeitliche Vergleiche bleiben das A und O.
- Frühe Buchbarkeit zu realistischen Preisen wird zum Wettbewerbsfaktor.
- Gemeinsam genutzte Daten stärken den Austausch zwischen Destinationen und Betrieben und damit die Professionalisierung der Branche.
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