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Klimawandel als Risiko und Chance: Müssen Mittelgebirge & Alpen umsteuern?

Mittwoch, 23. Januar 2019

Mit den derzeit deutschlandweit stattfindenden Fachworkshops „Die Wirkungen des Klimawandels auf die Tourismuswirtschaft in Deutschland“ in München, Leipzig und Bremerhaven (21. bis 23. Januar 2019) soll seitens des Projekträgers Umweltbundesamt ein Leitfaden entstehen, der Touristiker*innen bei der Umsetzung eines Klimaanpassungsprozesses in ihren Destinationen unterstützt.

Andrea Möller war für uns am Montag in München dabei und hat gemeinsam mit DMO-Manager*innen und Expert*innen aus den deutschen Alpen und Mittelgebirgen die Herausforderungen und Handlungsoptionen diskutiert.

dwif: Klimawandel als Risiko und Chance: Müssen Mittelgebirge & Alpen umsteuern? (Bild: pixabay)
Wie können DMO beim Klimaanpassungsprozesses unterstützt werden?

Der Klimawandel hat längst begonnen

Unter dem Eindruck der aktuellen Schneemassen im Alpenraum und in Erinnerung des trockenen und außergewöhnlich lang anhaltenden Sommers 2018 zog keiner der Anwesenden bei der Diskussion über die Auswirkungen des Klimawandels in Hoch- und Mittelgebirgsdestinationen in der FH München die faktische Existenz der Erderwärmung und zunehmende Häufung von Extremwetterereignissen in Zweifel.

Peter Hofmann vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (P.I.K.) zeigte als einer der Projektpartner eindrücklich: Es wird kontinuierlich wärmer, schon seit 1961; Starkregen und extreme Hitzetage nehmen zahlenmäßig zu. Ein praktischer Nutzen des Vorhabens: Reisegebiete werden sich künftig die Prognosen für ihre Region kostenlos im Internet downloaden können. Basis sind die Daten und Berechnungen des P.I.K.

 

Zwischenbilanz zur Situation der Tourismusregionen

Es gibt „Gewinner“ und „Verlierer“ unter den Destinationen. Die deutschen Küsten profitieren z.B. durch eine längere Badesaison im Sommer infolge steigender Temperaturen und geringerer Niederschläge. Insgesamt könnte die Sommersaison bis zum Jahr 2100 ungefähr 60 Tage länger andauern.

Und in den Voralpen und im Hochgebirge ist Schnee natürlich wie künstlich – wenn auch mit zunehmender Unsicherheit – mittelfristig immer noch das emotional bindende Thema für viele Gäste. Beide Reisezieltypen (Berge und Meer) zeigen seit Jahren Wachstumstrends. Entsprechend gering ist eine vorausschauende Veränderungsbereitschaft bei der Mehrheit der Akteur*innen.

Es sind die Mittelgebirge, die angesichts dramatisch gesunkener Schneesicherheit und ohnehin vorhandener Profilierungsprobleme den höchsten Anpassungsdruck verspüren. Positiv gedreht: „Gezwungenermaßen“ sind sie die Avantgarde der Klimaanpassung und derzeitige Zukunftslabore im Deutschlandtourismus und suchen am stärksten nach Alternativen für den „grünen“ Winter. So war es denn auch das für Gebirgsregionen in besonderem Maße differenzierende Thema Wintertourismus, um das die Diskussion immer wieder kreiste, und von dem die Gäste feste Klischees im Kopf haben: Schnee, Sonne, trockene Kälte und winterliche Landschaft!


Nachfrage spürt Handlungsdruck, bleibt Reisegewohnheiten aber treu

Die Nachfrage spielt beim Thema Klimawandel und Reisen eine Doppelrolle: Befragungen des Alpenforschungsinstitutes mit dem N.I.T. ergaben, dass sich reisende Bundesbürger*innen der Brisanz des Klimawandels und der Zusammenhänge mit dem Reisen durchaus bewusst sind.

Maßnahmen wie Kerosinbesteuerung und Verteuerung von Flugreisen erhalten hohe Zustimmungswerte. Gleichzeitig fordern Reisende jedoch staatliches Handeln ein, um einheitliche Rahmenbedingungen für alle zu schaffen. Eigenverantwortung bleibt das Thema einer Minderheit.

Wenn es um die eigene Reiseentscheidung geht, wird auf Krisen oder Katastrophen kurzfristig mit einem Reisezielwechsel oder Veränderungen beim Zeitraum reagiert. Letztjährige Erlebnisse und Unzufriedenheit, z.B. durch Schneemangel führen eher dazu, auf als schneesicherer wahrgenommene Gebiete auszuweichen.

Skifahrer*innen haben heute hohe Qualitätsansprüche an Pisten und Liftanlagen und suchen passende Angebote weltweit. Alpenregionen konkurrieren bei den überzeugten Skifahrer*innen um eine spitze und klar umgrenzte Zielgruppe mit einer entsprechenden Kaufkraft. Das Wachstum der wichtigen Snow- & Skiziele in Österreich, der Schweiz und Südtirol speist sich aus den Schneefans der ganzen Welt.
Dass 80 Prozent der touristischen CO2-Emissionen deutscher Reisender im Winter durch Fernreisen entsteht und nicht aufgrund der Autoanreise sowie dem Betrieb von Schneekanonen und Liftanlagen im Alpenraum ist eine weitere Paradoxie aus dem derzeitigen Nachfrageverhalten.

Mehr als die Hälfte der deutschen Wintertourist*innen fliegt weit weg "in die Sonne"!

 

Klimaanpassung als Teil einer übergeordneten Nachhaltigkeitsstrategie

Trotzdem oder gerade wegen der vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Klimaverwundbarkeit des Tourismus einerseits und der eigenen Beiträge zur Verschärfung von Umweltproblemen andererseits sollte eine Klimaanpassungsstrategie möglichst Teil einer gesamtheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie der Region sein.

Nicht notwendiger Weise müssen sich DMO-Manager*innen dabei den Hut aufsetzen, sie sollten aber unbedingt mit am Tisch sitzen. Neben einem politischen Mandat ist die Motivation der örtlichen Akteur*innen zum Mitgestalten der Dreh- und Angelpunkt.

Denn Produkte jenseits des Skifahrens zu entwickeln, bedarf neuer Inszenierung alternativer Angebote wie Winterwandern, Naturbeobachtung, Brauchtumserlebnissen u.v.a.m. Die innovative, erlebnisorientierte und nachhaltige Produktentwicklung steht also weiterhin im Fokus.

Zwar ist der Winter immer noch emotional wichtiger Teil des Markenkerns, das Denken im Ganzjahresprodukt ist im deutschen Alpenraum jedoch längst gelebte Praxis. Die Saisonverlängerung durch mehr Wandern und Mountainbiking im Herbst bzw. den früheren Start im Sommerhalbjahr soll rückläufige Nachfrage im Winter auffangen helfen. Das hat auch Konsequenzen für die zu schaffende oder weiterzuentwickelnde Infrastruktur. Ein modernerer Sessellift braucht Winterauslastung, was gemeinsam mit gestiegenen Nachfrageansprüchen dann auch Beschneiung nach sich zieht. Neue oder modernisierte Aufstiegshilfen müssen aber eben nicht nur ein Winter-, sondern auch ein Sommerkonzept liefern, um noch gefördert zu werden. Bergbahnen sollten z.B. möglichst auch Mountainbikes befördern können.

 

Zu guter Letzt: Wann umsteuern?

Bleibt die Frage, wann genau und wo der Ausstieg aus dem Skitourismus für bayerische Skigebiete in Folge des Klimawandels kommen wird, die im Rahmen des Fachworkshops nicht beantwortet werden konnte.

Der Januarschnee hat die diesjährige Saison voraussichtlich gerettet. Andererseits hatte die auf Basis von Altschnee entstandene Kunstschneepiste in Kitzbühel im Oktober 2018 bei 20 Grad Plus dieses Mal einen öffentlichen Aufschrei provoziert. Dieses Beispiel zeigt auf, wie sensibel die Öffentlichkeit inzwischen auf das Thema Kunstschnee reagiert.


In der Diskussion in München weitestgehend unberücksichtigt blieb die wichtige Nachfragegruppe des Tagestourismus aus den Ballungsgebieten. Tagestouristen sind die Hauptzielgruppe deutscher Skigebiete und wir wissen vergleichsweise wenig über die Reaktionen dieses wichtigen Teilmarktes auf den Klimawandel.

Zeit für ein weiteres Forschungsprojekt? Wir bleiben dran...

 

 

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