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70 Prozent der Touristiker*innen fürchten Langfrist- oder Spätfolgen der Corona-Pandemie

Montag, 07. September 2020

September-UPDATE: Eine dwif-Befragung im Rahmen des Sparkassen-Tourismusbarometers spiegelt das aktuelle Stimmungsbild in der Branche zu den Themen Entwicklung der Nachfrage im Juni/Juli, Investitionsbereitschaft, Personalsituation und Folgen der Corona-Pandemie wider. Insgesamt haben sich 150 Orte und Regionen in neun Bundesländern und 168 Freizeiteinrichtungen in zehn Bundesländern beteiligt.

dwif-Corona-Befragung liefert aktuelles Stimmungsbild der Tourismusbranche (Bild: freepik)
Aber: Tourismus (in manchen Regionen) auf dem Weg Richtung Erholung

dwif-Kurzbefragung der Touristiker*innen

Über das Sparkassen-Tourismusbarometer möchten wir Ihnen regelmäßig Orientierung geben. Daher haben wir unsere Netzwerke mobilisiert – Sie – und führen seit Ende Mai regelmäßig eine Kurzbefragung zu den Auswirkungen der Corona-Krise bei den lokalen und regionalen Tourismusorganisationen und in der Freizeitwirtschaft durch.


Themen der aktuellen dwif-Corona-Kurzbefragung

  • Entwicklung der Nachfrage im Juni/Juli
  • Investitionsbereitschaft
  • Personalsituation
  • Folgen der Corona-Pandemie

Herzlichen Dank!

Insgesamt haben 150 Orte und Regionen in neun Bundesländern und 168 Freizeiteinrichtungen in zehn Bundesländern an der Befragung teilgenommen. Herzlichen Dank dafür! Die wichtigsten Ergebnisse haben wir Ihnen im Folgenden zusammengestellt.

 

Potenzielle Spätfolgen der Corona-Pandemie im Blick haben

Zumindest ein kleines bisschen Normalität ist in den Sommermonaten zurückgekehrt. Verreisen, gerade im eigenen Land, war wieder möglich. Trotz allem kämpfen die Touristiker*innen in den Orten und Regionen weiterhin mit den Auswirkungen der anhaltenden Corona-Pandemie. Und selbst wenn sich hoffentlich 2021 die Situation entspannt, werden sich die Tourismusverantwortlichen intensiv mit den Langfrist- und Spätfolgen befassen müssen.

  • Anfang August gaben 78 Prozent der Befragten an, die Akutfolgen der Pandemie in ihrer Destination sehr stark oder stark zu spüren. Hierzu zählen z. B. Umsatzverluste, (temporäre) Betriebsschließungen, Kurzarbeit, Freistellungen etc.
  • 67 Prozent erwarten Langfristfolgen, die zwar sofort sichtbar sind, aber lange andauern werden. Hierzu zählen z. B. Auswirkungen auf die MICE-Branche, den Incoming-Tourismus, Gruppenunterkünfte/-reisen oder den Wellness-/Gesundheitstourismus.
  • 69 Prozent der lokalen und regionalen Tourismusorganisationen sehen sich durch Spätfolgen sehr stark/stark betroffen. Diese erscheinen und wirken mit zeitlicher Verzögerung. Hierzu zählen Finanzprobleme öffentlicher Haushalte, Investitionsstaus/ein sinkendes Qualitätsniveau der Betriebe, Probleme auf dem Arbeitsmarkt, weniger Ausbildungsplätze oder Betriebsaufgaben. Entscheidungsträger*innen in Politik und Verbänden sind gefordert, sich schon heute auf diese Spätfolgen für die Branche vorzubereiten und geeignete Maßnahmen zu Abfederung der Effekte zu entwickeln.

 

Tourismus (in manchen Regionen) auf dem Weg Richtung Erholung

Der Blick auf die Sommermonate stimmt zumindest für einige Regionen optimistisch: 50 Prozent der befragten Touristiker*innen lokaler und regionaler DMO berichten für die Monate Juni/Juli 2020 von einer gestiegenen Nachfrage im Vergleich zu einem Normaljahr – allen voran die Küstenbundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die ersten Zahlen der amtlichen Statistik für den Juni deuten darauf hin, dass insbesondere die Ferienzeit ab Juli gut gelaufen sein dürfte. Gleichzeitig bestätigen die Einschätzungen der Expert*innen vor Ort die starke Nachfrage im Bereich der Ferienwohnungen/-häuser (wovon ein großer Anteil nicht in der amtlichen Statistik erfasst wird, sondern in das Segment der Privatvermieter fällt) sowie die schnelle Regeneration bestimmter Ausflugsmotive im Tagestourismus in Richtung Küste.

Dennoch scheint die Entwicklung lokal und vor dem Hintergrund der individuellen Betriebstypenstrukturen sehr ambivalent auszufallen. Nach wie vor berichtet ein knappes Drittel der Befragten von weiterhin rückläufigen Zahlen. Zudem fordert das teilweise extrem kurzfristige Buchungsverhalten seit der Corona-Pandemie die Akteur*innen bei der Planung vorausschauender Maßnahmen erheblich heraus.

 

dwif Tourismus Corona Befragung Nachfragevolumen

 

Regeneration der Betriebstypen: Unterkunftsformen für einen autarken Urlaub im Trend

Möglichst wenig Kontakte, Selbstversorgung, To-Go-Angebote... das gilt immer noch, doch springt für einige Regionen der Motor in vielen Segmenten wieder an. Nach wie vor können insbesondere Reisemobilisten, Camping, Ferienhäuser/-wohnungen und der Außer-Haus-Verkauf in der Gastronomie punkten. Aber auch in der übrigen Gastronomie und in weiteren Beherbergungssegmenten nehmen die Vertreter*innen der befragten lokalen und regionalen Tourismusorganisationen teilweise wieder steigende Nachfrage wahr. Das Sommerwetter und die Ferienzeit begünstigen diese Entwicklung.

Dennoch: Die Ausweisung von Risikogebieten und Reisewarnungen für bestimmte Länder und Regionen insbesondere mit den erneut zunehmenden Infektionszahlen im August zeigen, wie labil die Situation ist. Viele Betriebe sind derzeit von der Wirtschaftlichkeit noch weit entfernt, umso gefragter sind mittel- und langfristige Stabilisierungsmaßnahmen, um einen Ausgleich der Mindereinnahmen erreichen zu können

 

Langsamere Regeneration in der Freizeitwirtschaft

Die Freizeitwirtschaft regeneriert sich deutlich langsamer: Nur für 17 Prozent der befragten Einrichtungen deuten sich für die Monate Juni/Juli gestiegene Besucherzahlen an, 61 Prozent hatten weiterhin mit teils deutlich rückläufigen Zahlen zu kämpfen. Weitere 11 Prozent hatten im Juni/Juli nach wie vor geschlossen.

  • Besonders die Indoor-Kultureinrichtungen stellt die Corona-Pandemie vor große Herausforderungen, was wiederum nicht nur für Gäste von außerhalb, sondern gerade auch für die Freizeitgestaltung der Einheimischen starke Einschnitte im potenziellen Aktivitätsspektrum und in der Generierung von Wertschöpfung im Tourismus bedeutet.
  • Auch die Anbieter von Stadtführungen sind weiterhin stark betroffen. Wie erste Auswertungen aus dem dwif-Freizeitmonitoring für den Juli zeigen, ist diese Kategorie diejenige mit den größten Verlusten.
  • Zoos und Tierparks hingegen, die als erste Ende April wieder öffnen durften, haben sich in den Sommermonaten gefangen und können für den Juli mitunter bereits gestiegene Besucherzahlen vermelden.
  • Gleichzeitig haben digitale Angebote in den letzten Monaten an Bedeutung gewonnen. Die Kulturstiftung des Bundes will daher mit dem Förderprogramm „dive in. Programm für digitale Interaktionen“ bundesweit Kulturinstitutionen darin unterstützen und motivieren, mit innovativen digitalen Dialog- und Austauschformaten auf die aktuelle pandemiebedingte Situation zu reagieren.

 

Wirtschaftliche Effekte Freizeitwirtschaft: Stimmung hellt sich auf

Aktuell sieht sich „nur“ noch etwas mehr als jede 10. der befragten Kultur- und Freizeiteinrichtungen in ihrer Existenz bedroht. Im Mai war dieser Anteil mehr als doppelt so hoch. Die Stabilisierung in der Freizeitwirtschaft setzt sich damit fort. Privatwirtschaftlich organisierte Einrichtungen sehen sich dabei noch stärker in ihrer Geschäftslage bedroht, als dies bei Institutionen in kommunaler Trägerschaft der Fall ist. Aber auch Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft sollten mit Blick auf angespannter werdende öffentliche Haushalte in vielen Kommunen ab 2021 in einen engen Austausch mit den kommunalen Entscheidern gehen, um sich frühzeitig auf gegebenenfalls neue Rahmenbedingungen einstellen zu können.

 

Auswirkungen der Corona-Pandemie dämpfen Investitionsbereitschaft

Bereits seit Längerem wird über einen möglichen Investitionsstau im Tourismus als Spätfolge der Corona-Pandemie diskutiert. 53 Prozent der befragten Freizeit- und Kultureinrichtungen gaben im August an, Investitionen sehr wahrscheinlich bzw. vielleicht verschieben zu müssen. Nach wie vor ein hoher Wert, der aber immerhin im Vergleich zum Juni leicht zurückgegangen ist. Eine weitere Verschärfung der Situation mit der Folge mittelfristig drohender Qualitätsdefizite ist entsprechend aktuell nicht feststellbar.

 

Personalsituation: Schrittweise Rückkehr zur Normalität

Die Corona bedingten Maßnahmen im Zuge des geringeren Arbeitsanfalls bzw. zur Reduktion der Personalkosten werden langsam und schrittweise zurückgefahren. Anfang August arbeiteten 73 Prozent der lokalen und regionalen Tourismusorganisationen (Juni: 52 Prozent) sowie 62 Prozent der Freizeiteinrichtungen (Juni: 42 Prozent) wieder nahezu auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Hier hat sich die Situation weiter deutlich normalisiert.

Auch der Höhepunkt der Nutzung des Instrumentes der Kurzarbeit ist überschritten. Rund 20 Prozent der Befragten hatten Anfang August Festangestellte in Kurzarbeit, im Juni waren es noch 40 Prozent. Erste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit weisen für das Gastgewerbe in Deutschland jedoch ein Minus von 7,1 Prozent bei der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für den Monat Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat aus. Ob der Stellenabbau mittelfristig Bestand haben wird, ist noch nicht abzusehen.

 

Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bei allen Akteur*innen bedanken, die uns so tatkräftig bei der Befragung durch Ihre Einschätzung unterstützt haben. Wir halten Sie hier bei uns auf der Website und auch in den Kurzberichten des Sparkassen-Tourismusbarometers auf dem Laufenden!

 

 


 

UPDATE* dwif-MindMap 2.0: Post-Lockdown

dwif Corona MindMap 2.0 QuadratUnsere Anfang April 2020 veröffentlichte MindMap 1.0 hat in der Branche viel Anklang gefunden. Uns erreichten zahlreiche Anregungen und Impulse aus verschiedenen Regionen, die uns zu einer Neuauflage der dwif-Corona-MindMap 2.0 inspiriert haben. Die nun beginnende Restart-Phase ist genau der richtige Anlass, die Aufgabenschwerpunkte von DMOs in Zeiten von und nach Corona neu zu justieren.

Weiter zur dwif-Corona-MindMap 2.0

 

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