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Touristische Infrastrukturentwicklung: Leuchtturmprojekte als Impuls für die Region

Mittwoch, 12. Mai 2021

Mit rund 160 Teilnehmenden ging unsere Online-Reihe „dwif-Impulse“ am 11. Mai 2021 in die vierte Runde. Vertreter*innen aus Kommunalpolitik, DMO sowie Betreiber und Investoren von Leuchtturmprojekten aus Gastgewerbe und Freizeitwirtschaft diskutierten mit unseren Kolleg*innen Heiko Rainer und Dajana Szkorupa über die touristische Infrastrukturentwicklung.
Die Frage, wie sich Leuchtturmprojekte auf eine Region auswirken, stand im Mittelpunkt des virtuellen Austauschs. dwif-Impuls verpasst? Kein Problem – das Video ist bereits online!

dwif-Impulse:: Touristische Infrastrukturentwicklung: Leuchtturmprojekte als Impuls für die Region
Video und Zusammenfassung unseres dwif-Impulses jetzt verfügbar!

 

Zum Auftakt: Learnings aus unseren Projekten

Am 11. Mai 2021 startete unser vierter dwif-Impuls und rund 160 Teilnehmende waren dabei. Los ging es mit einem Input unserer Expert*innen Heiko Rainer und Dajana Szkorupa, der deutlich machte, wie herausfordernd die Entwicklung der touristischen Infrastruktur und die Realisierung von Leuchtturmprojekten in der Realität ist bzw. sein kann.

(1) Die Henne-Ei-Problematik: Braucht es erst eine gewisse Nachfrage, bevor neue Angebote etabliert werden, oder startet man mit neuen Angeboten auf dem Markt, damit die Nachfrage überhaupt erst ansteigt? Unsere Erfahrungen aus Hotelmarktanalysen zeigen: Neue Impulse in Form von klar positionierten Hotels beleben den Markt und führen zu Nachfragesteigerungen.

(2) Miteinander reden hilft: Als Querschnittsbranche kann Tourismus gar nicht anders funktionieren als durch gemeinsames Handeln. Deswegen sind eine transparente Kommunikation und der Einbezug aller relevanten Akteur*innen unerlässlich – je größer das Projekt, desto wichtiger der Austausch.

(3) Passgenauigkeit: Passt Ihr Vorhaben zur Tourismusstrategie und zahlt es auf das Profil der Region ein? Nur wenn der Funke auf beiden Seiten überspringt, kann das Projekt von Erfolg gekrönt sein. Und ganz nebenbei steigen dann auch die Chancen auf Fördermittelzusagen.

(4) Die gefühlte Wahrheit und die Fakten: Infrastrukturprojekte werden schnell zu emotionalen Debatten. Wenn Sie Ihr Vorhaben mit (objektiv geprüften) Fakten untermauern, können Sie sachlich und vor allem erfolgreich argumentieren. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ökonomischen Faktencheck für touristische Betriebe an.

(5) Think bigger: Denken Sie Ihr Projekt groß, versetzen Sie Ihre Zuhörer*innen in Staunen. Durch Finanzierungsfragen, rechtliche und politische Rahmenbedingungen wird das Projekt meist von selbst kleiner.

 

dwif-Impulse: Touristische Infrastruktur Gaeste

 

Praxischeck: Was sagen unsere Gäste?

Nach dem Input starteten wir mit unseren Gästen in einen spannenden und lebhaften Austausch. Den Anfang machte Florian Mayer. Der Herzblut-Hotelier verfolgt mit den Familux Resorts eine eindeutige Zielgruppen-Nischen-Strategie: Luxus, Familie und Wellness. Mit der radikalen Spezialisierung auf diese Zielgruppe musste sich das Unternehmen von einigen Stammgästen verabschieden.
Aber der Erfolg gibt ihnen Recht: Voraussichtlich 2022 soll das vierte Familux Resort in Oberhof The Grand Green eröffnen. Hier hat alles gestimmt: Der Bauplatz, die Lage, die Erreichbarkeit. Und nicht zuletzt auch die aktive politische Unterstützung, die den Entwicklungsprozess von 10 auf 5 Jahre halbiert hat.

Tom Zeller von inMotion Park ist gleichzeitig Planer und Betreiber von naturnahen Freizeitattraktionen, wie zum Beispiel der Erlebnisholzkugel in Steinberg am See. Die Idee dahinter: Menschen in die Natur und in Bewegung bringen. Bei der Standortauswahl ist er akribisch vorgegangen, jeden der 40 potenziellen Standorte hat er besucht und letztlich den mit dem größten Bedarf und besten Rahmenbedingungen gewählt.
Die Erlebnisholzkugel wurde 2019 eröffnet und konnte schon in dem Jahr 200.000 Besucher*innen überzeugen.

 

Was zieht und zählt bei der Planung?

Wie kommen Regionen mit Betreiber*innen und Investor*innen zusammen? Was überzeugt die Projektentwickler*innen? Für Tom Zeller gibt es zwei alles entscheidende Aspekte: Politische Rahmenbedingungen und Mikrostandort. Ohne Rückenwind aus der Region und dem Willen Türen zu öffnen, kann er seine Projekte nicht umsetzen.
Der Makrostandort ist insofern wichtig, als dass die Destination eine gewissen Größe haben muss. Viel wichtiger ist jedoch der Mikrostandort mit Natur, Ausblick, Parkplatz, Erreichbarkeit etc.

Auch für Florian Mayer ist die Unterstützung seitens der Politik von sehr hoher Bedeutung. Für das Gelingen seiner Projekte ist es essenziell, dass Kommune, Politik und Nachbarschaft hinter dem Projekt stehen. Denn je eher die Politik das Projekt befürwortet, desto schneller funktioniert es mit der Umsetzung.

 

dwif-Impulse: Touristische Infrastruktur Diskussion

 

Was können Politik und DMO zum Erfolg beitragen?

Die Aufgabe der Kommune und der DMO ist aus Investorensicht also klar. Carola Schmidt vom Harzer Tourismusverband weiß aus Erfahrung, dass ein positives Investitionsklima ausschlaggebend ist. Anderen DMOs empfiehlt sie, die Investor*innen und Unternehmen zu begleiten, zu unterstützen und bestehende Netzwerke zu nutzen. Das hilft nicht nur bei dem aktuellen Projekt, sondern zieht auch neue Investitionen in bestehende Betriebe oder neue Projekte an.

Genauso wichtig ist für sie auch die Kommunikation mit der einheimischen Bevölkerung, die nicht unwesentlich zu einem investorenfreundlichen Klima beiträgt. Sie weiß aber auch, dass diese Pushfaktoren schnell in Hindernissen umschlagen können, wenn bspw. die Behörden keine Genehmigung erteilen. Die Investor*innen wenden sich dann schnell von der Destination ab. Je eindeutiger sich eine Destination positioniert hat und ihr Leitbild nach außen transportiert, desto eher fühlen sich Investor*innen angesprochen und desto mehr Bewegung kommt in die Infrastrukturentwicklung der Region.

Als Oberbürgermeister hat André Neumann in Altenburg die Erfahrung gemacht, dass man ein Projekt auch dadurch unterstützen und voranbringt, indem man es hinterfragt und regelmäßig reflektiert. Solche „Zweifel“ haben bei der Spielewelt Altenburg dazu geführt, dass ein besserer Standort gefunden wurde und die Investitionen von 10 auf 18 Millionen Euro gestiegen sind.
Eine grundsätzliche Offenheit gegenüber neuen Ideen, auch wenn sie auf den ersten Blick unerreichbar scheinen, ist für ihn selbstverständlich. Skeptiker*innen überzeugte er genauso wie Carola Schmidt mit Strategie und Leitbild.

 

Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten für Leuchtturmprojekte

Wenn die Stimmung seitens Politik, Kommune und Bevölkerung positiv ist, steht als nächstes das Thema Förderung auf der Agenda. Und hier scheiden sich die Meinungen unserer Experten:

Tom Zeller, der Förderungen wie die GRW Mittel zwar grundsätzlich gut bewertet, geht seine Projekte fast ausschließlich ohne Fördermittel an. Denn wenn die Antwort auf die Fördermittelanfrage sinngemäß „Kann sein, kann aber auch nicht sein“ lautet, hilft das gegenüber der Bank oder anderen Investor*innen nicht weiter. Bei der Erlebnisholzkugel setzte er auf eine Mischung aus ein Drittel Eigenkapital und zwei Drittel Kredit. Nach 10-12 Jahren sollte sich das Projekt rentiert haben und Rendite für die Investoren abwerfen.

Anders bei den Familux-Resorts: Für Florian Mayer ist die Förderung für kleine, neue Projekte essenziell. Beim „The Grand Green“ in Oberhof beispielsweise ist die Entscheidung aufgrund der gegebenen Fördermittel gefallen. Ohne eine Förderung wäre die Realisierung der Projekte an B-Standorten nicht möglich. Im Gegensatz zur Erlebnisholzkugel bräuchte ein Resort rund 12-20 Jahre, bis es sich rentiert, allerdings wird in der Realität kontinuierlich neu investiert, sodass das Projekt eigentlich niemals „durch“ ist.

 

Hier geht's zum Video "Touristische Infrastrukturentwicklung"

dwif-Impulse: Touristische Infrastrukturentwicklung

 

Unser Fazit: Erfolgsfaktoren touristischer Leuchtturmprojekte

Die Diskussion mit unseren vier Gästen hat uns – und hoffentlich auch Ihnen als Zuhörer*innen bzw. Leser*innen – viele spannende Impulse gegeben. Wir halten fest, dass Leuchtturmprojekte Sichtbarkeit schaffen, Nachfrage steigern, auch B- und C-Standorte beleben und Akteur*innen zusammenbringen können.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren, damit aus touristischer Infrastruktur ein Leuchtturmprojekt wird:


(1) IDEE: Ein gemeinsames Verständnis über das Projekt ist wichtig
(2) AKTEUR*INNEN: DMO, Kommune und Einheimische, die hinter dem Projekt stehen, schaffen ein überzeugendes Klima für Investor*innen und geben Ihnen Rückenwind
(3) STANDORT: Größere Leuchtturmprojekte schaffen eine eigene Destination und geben auch B- und C-Standorten eine Chance
(4) STIMMUNG: DMO und Kommunalpolitik müssen den Rahmen für betreiber- und investorenfreundliches Klima schaffen
(5) FÖRDERMITTEL: Manchmal unerlässlich, manchmal nice to have – ABER es muss einfachere und verbindlichere Zusage geben
(6) ZEIT: Von der Idee bis zur Umsetzung kann es je nach Projekt 4 bis 10 Jahre dauern


 

Noch mehr Impulse gesucht?

Wenn Sie unseren dwif-Impuls nicht live verfolgen konnten und jetzt Lust bekommen haben, sich die spannende Diskussion in voller Länge anzusehen, schauen Sie einfach auf unserem YouTube-Kanal vorbei. Dort finden Sie auch die Aufzeichnungen der ersten drei Events dieser Reihe:

 


 

Unser Ökonomischer Faktencheck für touristische Betriebe

dwif-Oekonomischer Faktencheck für touristische BetriebeWelcher wirtschaftliche Nutzen entsteht durch Freizeiteinrichtungen oder geplante Infrastrukturprojekte in der Region? Wie ermitteln den regionale Stellenwert & quantifizieren die von Ihrem Betrieb ausgehenden Impulse!

Ich möchte mehr erfahren!

 

dwif-Impulse: Unser Online-Format!

dwif-ImpulseWir möchten unser Wissen teilen und gemeinsam mit Ihnen Tourismus neu denken. Unser Online-Format "dwif-Impulse" bietet regelmäßig spannende Gelegenheiten, um sich virtuell zu den Themen auszutauschen, die uns in der Tourismusbranche bewegen. Sehen wir uns?

Mehr zu unseren dwif-Impulsen

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